Vermehrung gestartet

So, Schritt 2 ist gemacht, die Bienen arbeiten an neuen Königinnen.

Schritt 1 war, vor einer Woche ein Bienenvolk vorzubereiten. Ich hatte ein Volk, das schwärmen wollte. Sie hatten eine wunderschöne Schwarmzelle angelegt, das bereitet den Auszug der Königin vor. Aus dieser Schwarmzelle soll ja die neue Regentin schlüpfen, die die Nachfolge antritt.  Ich breche solche Zellen nicht gerne, das Volk war aber eh schon für die Aktion ausgesucht 😉 Ich hatte das Volk Rähmchen auf 1,5 DNM (Deutsch Normalmaß + die Hälfte unten noch mal dran) ausbauen lassen und die Queen hatte sich eh mehr dort oben auf den großen Waben aufgehalten. Also habe ich die Königin mit den ansitzenden Bienen von diesen Großrähmchen in eine neue Beute gesetzt, das Volk also entweiselt, und die Schwarmzelle zerstört. Die Bienen haben prompt versucht, aus den vorhandenen kleinsten Larven neue Königinnenzellen zu bilden. Die habe ich dann schon wieder nach drei Tagen zerstört – und nun wird es für die verbliebenen Bienen eng: Es schlüpfen einerseits ständig neue und arbeitswütige Bienen nach, taugliche Larven jedoch sind nur noch wenige vorhanden. Vollalarm, die Existenz des Volkes ist bedroht, die letzten Zellen werden hastig gebaut. Und dann geht der Kerl nach einer Woche hin, und haut auch noch diese Zellen kaputt…

Kurz gesagt, das Volk ist perfekt auf Pflege von Königinnenzellen eingestellt, aber es hat keine.  Und da naht die Rettung durch den Kerl, der vorher alles zerstört hat: Der treusorgende Imker hängt kleine Larven ein, das Volk stürzt sich drauf und pflegt Königinnenzellen! Und es scheint genau so geklappt zu haben:

Das Foto ist nach ca. 6 Stunden entstanden, offenbar wurden zumindest da alle Zellen gepflegt. Der Vorsitzende meines Imkervereins hatte zur Schulung genau dieses Vermehrungsverfahrens geladen, wir haben das Verlegen (=Umlarven) von kleinsten Larven von den Brutwaben in diese „Zuchtlatten“ geübt, nebenbei sind dann halt auch ein paar Larven in dieser Latte gelandet.  Mal morgen gucken, was die Damen so treiben.

Der Königin, die ich mit den 1,5er-Waben aus dem Volk genommen hatte letzte Woche, der geht es offenbar ganz gut. Ihr „neues Volk“ baut gut und sie legt ordentlich.

Ich schreibe Sonntag mal ein update.

Update
Joah, war nicht so wirklich erfolgreich. Von den 12 Näpfchen wurde dann doch eins (in Zahlen: 1) weitergepflegt. 11 Näpfchen also hatten die Pflegebienen als untauglich bereinigt. Ich habe dann nach 28 Stunden noch sieben Larven aus einem anderen Volk in Näpfchen gelegt und auf die Latte gesteckt. Mal sehen, ob meine Sonntagslarven besser sind 🙂

Update 2:
Tja, das war wohl nichts. Neun Tage sind halt 9 Tage – und nicht 7.


Das Volk hat noch eine Möglichkeit zur Nachschaffung aus eigenen Zellen gefunden und die Zellen auf der Latte gnadenlos verbaut. So viel zu „perfekt vorbereitet“ 😉

Königinnen 2018

Ich werde mich dieses Jahr an etwas wagen, was mich schon immer sehr fasziniert hat, die gezielte Vermehrung von Königinnen.

Die natürliche Vermehrung der Bienen ist der berühmte Bienenschwarm. Die Königin zieht mit einem ordentlichen Teil des Volkes aus und sucht sich ein neues Heim. Glücklich der Imker, der einen solchen Schwarm vom Baum pflückt, noch glücklicher die Bienen, dass sie einen Hüter gefunden haben – aber das wissen sie leider nicht, sondern suchen selber ein Heim. Leider ist das Angebot an hohlen Bäumen sehr ausgedünnt, unterm Dachboden mögen auch nur wenige Hausbesitzer ein komplettes Volk dulden, und über kurz oder lang rafft die Varroamilbe das ausgeschwärmte Volk dahin. So einen Schwarm zu verfolgen und dann noch oben aus einer Baumkrone zu pflücken ist nun auch nicht jedes Imkers Hobby, darum unternimmt er einiges, um den Schwarm lieber im Kasten zu halten.

Entweder haben die Bienen kurz vor dem Schwarm schon begonnen, eine neue Regentin heranzufüttern, oder sie beginnen unmittelbar nach dem „Verlust“ der Königin (der auch aus anderen Gründen als dem Schwarm passieren kann) damit. Sie ziehen aus einer winzigen, frisch aus dem Ei geschlüpften Made eine neue Prinzessin, die dann nach dem Hochzeitsflug den Platz ihrer Mutter einnimmt. Zuvor meuchelt sie nebenbei ihre thronlüsternden  Schwestern, denn es kann nur eine geben.

Diese Fähigkeit der Bienen, aus jüngster Brut durch gezielte Fütterung eine Königin statt einer normalen Arbeiterin entstehen zu lassen, nutzt der Imker zur Vermehrung seiner Bienenvölker. Im einfachsten Fall entnimmt man dem Volk ein bisschen Brut mit einem Schwung Bienen und stellt dieses Ableger in einer neuen Behausung an einen anderen Ort. Die Bienen schalten auf Nachschaffung und ziehen eine neue Königin heran.  Im etwas komplizierteren Fall nimmt man mehrere frisch geschlüpfte Maden einer Königin und gibt diese in ein Volk, dass bereits in den Nachschaff-Modus gewechselt ist. Diese ziehen dann die kleinen Maden zu neuen Königinnen heran. Der Imker verhindert dann listig den Schwesternmord und setzte jede Prinzessin einzeln in vorbereitete Kistchen mit einem kleinen Pflegevolk, aus dem sie den Begattungsflug unternehmen können. Nun hat der Imker natürlich zuvor kleine Larven auf dem faulsten, unfreundlichsten und rabaukigsten Volk genommen – NICHT!  Man hat natürlich die Hoffnung, dass die Töchter aus dem besten Haus am Platz doch bitte so edel, sanftmütig und gut wie ihre werte Mutter werden mögen und ihr ordentlich nachtun.

Soweit, so einfach…nun ja, da gibt es schon noch Klippen. Ich gehe das in diesem Jahr (in dieser Woche schon) einmal an und werde das hier schrittweise verbloggen. Denke ich 😉

tl;dr:  Die Vermehrung von Königinnen startet jetzt. Der Imker ist sicher, damit die edelsten Königinnen ever zu erhalten. Wird schon schiefgehen. 🙂